ForGen geht zur Schule: CSI WikU Graz

Eben noch in Brüssel haben wir mal wieder keine Pause gehabt und uns gleich in die nächste Aufgabe gestürzt. Am WiKu BRG Graz konnten wir Oberstufenschülern und -schülerinnen einen ganzen Nachmittag lang unser Lieblingsthema nahebringen: Die forensische Spurenkunde! Zuerst gab es eine Einführung zum Nachweis biologischer Spuren und dann durfte das Gelernte selber ausprobiert werden. Wir haben uns „Opferkleidung“ angesehen und nach biologischen Spuren gesucht, Schnelltests durchgeführt und unter dem Mikroskop überprüft, ob der erste Eindruck Tier- oder Menschenhaar richtig war. Alle waren mit unfassbar viel Interesse, Elan und Begeisterung bei der Sache und es wurde fleissig geknobelt, was denn hier passiert war….. War das tatsächlich ein Messerstich und das ernsthaft Blut oder doch nur Ketchup? Was macht das blutige Taschentuch in der Hose und hatte das Opfer vielleicht eine Katze? Vielleicht haben wir ja heute den kommenden Kriminaltechniker oder Forensiker gesehen…..

Im dritten Teil ging es dann um die genetischen Untersuchungen in der Rechtsmedizin; die Entdeckung des genetischen Fingerabdrucks, die RFLP-Analyse, STR—Nachweise mit Theorie und entsprechenden Anwendungsmöglichkeiten zur Abstammungsuntersuchung und Spurenanalytik. Und auch zur Anwendung in der Tiergenetik gabe es einiges zu hören und zu sehen. Das hat dann sogar unseren tierischen Zuhörer, Tito, fasziniert. Weniger begeistert war er im Anschluss dann allerdings davon, eine Mundschleimhautprobe abgeben zu „dürfen“, hat dies aber doch großmütig über sich ergehen lassen. Wir werden also bald wissen, was in dem kleinen Kerl steckt…

Auch über die Probleme in der Forensischen Genetik haben wir gesprochen und gingen hier u.a. auf DNA-Transfer und Kontaminationen ein. Phänomene, die uns in den letzten Jahren aufgrund der Verbesserungen in der Methodik sehr getroffen haben, weshalb die Befundung von Ergebnissen häufig großer,  gutachterlicher Expertise bedarf.

Drei volle Stunden war der (übrigens sehr schicke) Chemieraum besetzt mit wirklich unglaublich und durchgängig interessierten Schülern/Schülerinnen und auch einigen Lehrern /und Lehrerinnen (dieses ganze Gendern ist wirklich anstrengend), die das ein oder andere Mal begeistert (oder erleichtert?) bemerkten, was ihre Schüler/innen alles so wussten.

Am Ende gab es nur Gewinner: Die Schüler/innen, die einen weiteren, langen Schultag überstanden haben und jetzt von ForGen noch einmal ein dickes Lob für ihre tolle Teilnahme bekommen, die  Lehrer, die wirklich stolz auf ihre Schützlinge sein können und die – zugegeben momentan etwas erschöpfte – ForGen-Vertreterin, die wirklich Spaß hatte, soviel von ihrem Lieblingsberuf erzählen zu dürfen.

Ein großes Dankeschön also an die verantwortliche Lehrerin, Frau Gerstmann, an die motivierten Schüler/innen und auch an den Rest der Lehrerschaft, die im Anschluss noch einen Geburtstag feierte, so dass die ganze verbrauchte Energie mit leckerem Kuchen, Gebäck und mehr ratz fatz wieder aufgefüllt werden konnte! Und für das tolle Geschenk mit der wirklich schönen Karte!!!

In diesem Sinne, euer jetzt aber wirklich erschöpftes

ForGen-Team

ForGen jetzt auch in Brüssel!!!

Nachdem wir kürzlich schon im Bundestag zu Gast waren, mag der gestrige Tag manch einem als logische Konsequenz vorkommen: Wir waren tatsächlich in Brüssel im EU-Parlament!

“Defending pastoralism towards a European wolf plan” war das große Thema und viele Redner aus unterschiedlichen Bereichen kommend waren eingeladen. Spannend war es schon, bevor es begann mit der eindrucksvollen Architektur, diversen Kamerateams, die sich vor den Gebäuden herumtrieben und fleißig vor sich hin filmten…sehr zu unserem Leidwesen durchaus häufig in unsere Richtung und wer weiß, durch welche Sendung wir da in welchem Land spazieren…dann die Einlasskontrollen wie beim Flughafen und schlussendlich der Sitzungsaal mit den vielen Simultanübersetzern in ihren kleinen Kabinen.

Und dann erst die einzelnen Reden und Vorträge – bei dem Thema natürlich unterschiedliche Sichtweisen und bereits nach fünf Minuten gab es erste kleine Dispute…

Was gab es zu hören?

Aus Niedersachsen erfuhren wir, dass Herdenschutz funktioniert! Es gäbe keine Korrelation zwischen der Zahl der Wölfe und der Nutztierrisse und dort, wo frühzeitig Herdenschutz umgesetzt wurde, passiere wenig bis gar nichts. Dabei seien die Kosten für vernünftigen Herdenschutz sehr gering im Vergleich zu z.B. den Agrarsubventionen. Der Wolf sei ein wichtiger Gesundheitspolizist und helfe z.B. bei Tilgung der afrikanischen Schweinepest.

In Spanien gibt es wohl mehr als 2000 Wölfe, wobei die 15 % im Süden das größte Problem darstellen, da dort die meisten Nutztiere leben.

Insgesamt wird geschätzt, dass in Europa mindestens 20.000 Wölfe leben, weshalb manch einer – sehr zum Ungemach manch anderer- der Meinung war, dass der Wolf seinen Weg schon gehen wird und keinen verstärkten Schutz mehr brauche.

Von den Österreichern erfuhren wir, dass sie – obwohl momentan noch eher ein Wolftransitland – häufig eher wenig begeistert sind und davon ausgehen, dass viele Herdenschutzmaßnahmen bei ihnen nicht anwendbar sind. Dies betrifft u.a. die Almen bzw. Weiden, die oft nicht wolfssicher eingezäunt werden können, aber auch die Tatsache, dass viele Österreicher eher kleine Betriebe im sog. Nebenerwerb führen. Die Anschaffung mehrerer Herdenschutzhunde käme daher für viele dieser Bauern gar nicht in Frage. Auch habe es schon unerfreuliche Begegnungen von Touristen mit diesen Tieren gegeben, die nicht unbedingt als Tourismusförderlich einzustufen seien.

Dem gegenüber stand der Vorschlag, den Wolf als Tourismusmagneten einzusetzen und durch eine Art „wolf-watching“ Einnahmen für die betroffenen Gemeinden zu generieren.

Aus Frankreich war u.a. von 60 Rudeln in den Alpen zu hören sowie von diversen und massiven Herdenschutzmaßnahmen. So verfügen die Bauern dort über 3000 Herdenschutzhunde! Dennoch steigen die Risszahlen und 92 % der Angriffe betreffen die eigentlich geschützten Tiere. Gleichzeitig scheinen die Wölfe ihre Scheu vor den Menschen zu verlieren, kommen immer näher und jagen mittlerweile verstärkt auch tagsüber.

Natürlich wurde auch die Hybridfrage diskutiert und damit verbindend zusätzlich die Frage nach abzugrenzenden Populationen. Auch hier differierten die Meinungen sehr. Wurde z.B. die Hybridisierung als eindeutiges Problem festgestellt und von mehreren Rednern als präsent beschrieben, hieß es anderswo, es handele sich hier lediglich um sehr geringe, unbedeutende Zahlen.

Ähnlich war die Kontroverse bezüglich der Populationen. Waren die einen der Meinung, es gäbe sicher abzugrenzende Populationen, entgegneten die anderen, dass die Zeit und die Lebensweise der Wölfe es mitbringen würde, dass sich langfristig eine gemeinsame große Population entwickeln würde.

Abschließend wurden Fragen gestellt und diskutiert. Leider aber hatten viele Redner gewisse zeitliche „Anpassungsschwierigkeiten“ bzw. möglicherweise einfach ein anderes Zeitverständnis. So zeigte sich doch eine große Varianz, was eine Rednerzeit von 10 min angeht, wobei die einzige Gemeinsamkeit war, dass niemand UNTERHALB dieser Zeit blieb. Und dieses Phänomen setzte sich auch in der anschließenden Diskussion durch, die für Frage und Antwort auf jeweils eine Minute terminiert war. Irgendwann fanden wir uns in einer Wette mit unserem Sitznachbarn wieder, ob denn der Antwortende an diesem Tag überhaupt noch aufhören würde zu reden…schade war, dass das wartende Flugzeug bzw. der Pilot für so etwas natürlich keinerlei Verständnis besitzt, so dass wir leider nicht bis zum Schluss bleiben konnten.

Dennoch war es ein toller Tag mit vielen neuen und sehr interessanten Kontakten und guten Gesprächen.

Aber jetzt ist Erholung angesagt!

das ForGen-Team

 

Verstärkung für ForGen!

Heute müssen wir ein bisschen angegeben, weil wir uns wirklich sehr freuen und ziemlich stolz sind!

Nachdem wir in der letzten Zeit immer mal wieder Praktikanten bei uns „aufgenommen“ hatten, beginnt heute unsere erste offizielle Masterstudentin mit ihrer Arbeit bei uns!

Nastasja kommt von der Uni Uppsala und wird unser tierisches Team verstärken! Ihre Aufgabe besteht darin, einen zweiten Assay für den Nachweis canidae-spezifischer Marker in unserem Labor zu etablieren und speziell für die Minimalspurdiagnostik zu optimieren. Damit werden wir dann neben unserem eigenen Assay, der sich besonders für die Cluster-Analyse eignet, ein zweites Analyseverfahren haben, das zusätzlich den Empfehlungen der ISFG (International Society of Forensic Genetics) entspricht und dort von unseren Kollegen in der Canine Working Group (s.a. CadNAP) entwickelt wurde.

Stand dahinter der Spurengedanke, haben jüngste Untersuchungen gezeigt, dass sich auch dieser Assay sehr gut für die Unterscheidung der Hunderassen und der weiteren Gruppen eignet. Zusätzlich werden die Marker dann an Proben von Wölfen, Hunden und weiteren Canidae eingesetzt, um hier auch eigene Referenzdaten zu generieren. Und selbstverständlich folgt zum Abschluss der Einsatz des neuen Verfahrens an echten Fallproben.

Diese Woche aber muss Nastasja lauter unspannende Dinge tun und lernen, die durch die Akkreditierung und das Qualitätsmanagement auferlegt werden. Das Gute daran ist aber, dass man bei uns nicht nur reine Laborarbeit lernt, sondern gleich das richtige Arbeitsleben kennenlernt mit all seinen Auflagen. Wir sind schon sehr gespannt und genießen jetzt erst einmal wieder den universitären Kontakt und drücken Nastasja ganz doll die Daumen.

Das ForGen-Team

 

Das „Lamm im Hundepelz“- hier kommt Todo

Unser neuster ForGen-Hund heißt Todo und ist mittlerweile ein Österreicher.

Ursprünglich kommt Todo aus einer ungarischen Tötungsstation. Dort wartete er und es gab wenig Hoffnung für ihn, da der „Schäferhund-Look“ nicht gerade in war. Aber auch diese Geschichte hat ein echtes Happy End, denn er wurde von Andrea gerettet, die sich sofort in seine Augen mit diesem sanften Blick verliebte. Was hat Sie dazu bekommen? Todo ist ein gutmütiger Riese, der trotz seiner Vergangenheit die Menschen heiß und innig liebt. Vor allem mit Kindern kommt er wunderbar zurecht und zeigt sich -obwohl wirklich groß- vor anderen Hunden eher etwas schüchtern. Katzen hingegen mag er tatsächlich, solange diese nicht angreifen oder weglaufen. Er selbst hält sich wohl eher für ein Kuscheltier. Er kann stundenlang mit seinen Menschen schmusen und brummt dermaßen, dass man ihn dann glatt für einen Bären halten könnte.

Gerne vergisst er dabei auch, dass er eben KEIN kleines schoß-taugliches Kuscheltier ist und etliche Kilo Hund auf die Waage bringt….Einzig im Zusammenhang mit Lebensmitteln kann man seine Vergangenheit als Straßenhund und Selbstversorger erkennen. Nichts ist vor ihm sicher und er stellt sich beim Nahrungserwerb dermaßen geschickt an, dass so manche Menschenmahlzeit etwas knapper ausfiel, als ursprünglich geplant….Böse sein ist allerdings kaum möglich, man siehe sich nur wieder DIESEN Blick an.

Im Herbst hat Todo zusammen mit seinem Frauchen eine Therapiehund-Ausbildung angefangen und wir sind uns sicher, dass er danach vielen Leuten unglaublich viel Gutes tun wird. Und noch immer grübeln wir ein wenig, warum wir in seinen Genen nicht doch ein bisschen Lamm gefunden haben…dafür Schäferhund (deutsch, belgisch) und den Labrador. Aber vielleicht gucken wir doch noch einmal….

das ForGen-Team

ForGen fördert den Nachwuchs-Girlsday in unserem Labor

Hallo an alle.

Getreu unserem Motto „Behandle deine Mitmenschen so, wie du selber gerne behandelt werden würdest“ bzw. „Ermögliche Schülern, Praktikanten und Studenten Einblicke in unsere Arbeit, wie wir es auch früher gerne gehabt hätten“, haben wir uns diese Woche dem ganz „frischen“ Nachwuchs gewidmet.

Maimuna aus Lütjensee vom Behring Gymnasium in Großhansdorf war bei uns und durfte im Rahmen des Girlsdays einen Tag lang unserem Dr. Modrow über die Schulter blicken. Viel war zu tun und sie konnte erleben, was alles beachtet werden muss, um Proben für Abstammungsgutachten gerichtsfest zu entnehmen oder mitochondriale DNA-Sequenzen oder STR-Profile von Menschen und Tieren auszuwerten und was es heißt, in einem akkreditieren Labor zu arbeiten: Formulare ausfüllen, hier eintragen, dort eintragen, da was dokumentieren, dort etwas fotografieren, alles mehrfach überprüfen, dreimal nachzählen, hier unterschreiben, dort kürzeln und das nächste Formular fürs neue Formular….

Wenn wir sie damit nicht abgeschreckt haben, wird es vielleicht in ein paar Jahren eine hochmotivierte Studentin geben, die an einem spannenden Projekt in der forensischen Genetik arbeitet. Wir sind gespannt.

das ForGen-Team

Keine Pause bei ForGen

Da hätten wir eigentlich alle einmal gern ein völlig gemütliches Wochenende verbracht, stattdessen ging die letzte, aufregende Woche nahtlos in eine Tagung über.

Und wieder ging es (u.a.) um den Wolf, wovon wir- ehrlich gesagt -ruhig einmal ein paar Tage Ruhe hätten gebrauchen können.

Trotzdem aber war es ein sehr schönes Wochenende und es gab viele für uns teils neue und teils sehr interessante Dinge zu erfahren. In einem sehr schönen Vortrag über die Wölfe in Polen mit wunderbaren Bildern und Filmchen erfuhren wir u.a., dass dort bereits 2000 Wölfe gezählt wurden und was dies sowohl für die Tiere als auch für ihre Umgebung bedeutet.

Aber nicht nur über die Verbreitung des Wolfes in Deutschland, sondern auch über die der Biber und Fischotter oder der Waschbären gab es sehr interessante Vorträge anzuhören. So unterschiedlich die Tiere auch sein mögen, geht es doch oft um das Gleiche bei den genetischen Untersuchungen mit identischen Fragestellungen und Problemen, was zu vielen Interaktionen unter den Referenten beitrug.

Insgesamt war es ein buntes Programm in einem hervorragend organisierten Umfeld mit vielen Möglichkeiten, sich mit Kollegen aus ganz anderen Forschungsbereichen auszutauschen. Und wie immer waren die Gespräche abseits des offiziellen Programms in den Kaffeepausen oder beim gemeinsamen Mittag- und Abendessen die besten. Ein großes Dankeschön an die netten Veranstalter und an die vielen Teilnehmer. Wir freuen uns sehr, hier Kontakte auf- und auszubauen, Forschungsprojekte ins Leben zu rufen und neue Bekanntschaften zu pflegen und hoffen auf weitere solche Veranstaltungen.

Euer geringfügig überlastetes, aber sehr zufriedenes ForGen-Team.

ForGen informiert: Zur Vererbung der mitochondrialen DNA (mtDNA)

In dieser Rubrik erklären wir immer gerne Wichtiges aus unserem Fachbereich oder informieren zu aktuellen Anlässen.

Gestern hat ForGen es gewagt, zu erwähnen, dass über den reinen Nachweis der mitochondrialen DNA keine Einwanderung von Tieren in eine Gruppe nachzuweisen ist, wenn man die aus Verpaarungen entstandenen Nachkommen untersucht. Und wir haben erwähnt, dass nur über die mtDNA keine Vermischung von Hunden mit Wölfen erkennbar ist. Wenn man also nur die mtDNA untersucht hat und diese eine eindeutige Hunde-typische Sequenz zeigt, kann man sicher sagen, dass das Muttertier ein Hund ist, bzw. die Oma oder irgendjemand der mütterlichen Linie. Was aber der Vater ist, kann nicht sicher bestimmt werden. Nur, wenn es auszuschließen ist, dass eine derartige Verpaarung stattfinden kann, wäre es legitim aus dem mtDNA-Ergebnis „Hund“ in der Schlussfolgerung den Hund anzugeben.

Offensichtlich aber haben wir das nicht gut genug erklärt, wie uns das Internet zeigt, dort ist Folgendes zu finden:

 

 

 

 

Daher jetzt einmal für alle:

Die mtDNA wird maternal vererbt, d.h. alle Individuen einer einzigen mütterlichen Linie besitzen identische mtDNA, auch die Männer!!! Dieses Basiswissen ist heutzutage mindestens Bio-Grundkurs-Niveau. Wer sogar Biologie studiert hat, sollte dies auf jeden Fall wissen, sonst müsste man sich um die Ausrichtung dieses Studiengangs und um unsere Akademiker wirklich Sorgen machen.

Warum aber ist das so? Einmal ein Versuch der Erklärung in einfachen Worten, damit es auch wirklich jeder versteht:

Bei der Paarung verschmelzen die Eizelle (der Mutter) und die Samenzelle (des Vaters), beide Zellen haben einen halben (haploiden) Chromosomensatz, der im Zellkern verpackt ist, so dass das Ergebnis dieser Verschmelzung aus genau den beiden Eltern „besteht“. Wir haben alle unsere Chromosomen in Paaren vorliegen (Ausnahme das Y-Chromosom) und je eines ist von der Mutter und eines vom Vater. Daher funktioniert auch die gesamte Vererbungsanalytik.

Jetzt gibt es aber noch die mtDNA. Und die liegt NICHT im Zellkern. Sie ist als ringförmiges Molekül in mehreren Kopien in den Mitochondrien lokalisiert. Diese Zellorganellen sind für unsere Energiegewinnung und die Zellatmung zuständig; man nennt sie auch Kraftwerke der Zelle.

Und von diesen Mitochondrien hat eine Eizelle unfassbar viele, weil sie ja auch viel zu tun hat. Das Spermium dagegen besitzt nur sehr wenig Mitochondrien, die am unteren Ende am Schwanzansatz vorliegen. Dringt dieses Spermium nun in die Eizelle ein, verliert es sofort sein nun unnütz gewordenes Antriebsschwänzchen und damit auch die Mitochondrien mit der in ihnen befindlichen DNA. Der Forensiker kennt weniger Ausnahmefälle, wo einmal Papas mtDNA nachweisbar war. Aber das ist erstens eine unglaubliche Ausnahme und zweitens kaum mit normalen Methoden nachweisbar.

Es bleibt nach der Verschmelzung also eine befruchtete Zelle, die sich nun weiter vermehren wird und dabei eine perfekte Mischung aus der nukleären DNA (DNA aus dem Zellkern) der BEIDEN Eltern darstellt. Das nennt man auch Rekombination. Die mtDNA aber kommt NUR von der Mutter, sie rekombiniert nicht. Daher nennt man das Ganze auch HAPLOTYP.

Also hätte man zuhören sollen. Natürlich besitzen auch Männer (oder eben männliche Wölfe) mitochondriale DNA. Und wenn diese irgendwo hinwandern, nehmen sie diese in ihren Zellen mit. Findet man Spuren von diesen Tieren oder sie selber, kann man selbstverständlich ihre mtDNA untersuchen.

Sobald sie sich aber verpaaren, ist ihre mtDNA verloren, da ihre Nachkommen nur die mütterliche mtDNA zeigen.

Nehmen wir einmal das Beispiel einer Wölfin, die sich mit einem Labrador paart und kleine, süße Mischlingswelpen zur Welt bringt. Die mtDNA dieser Welpen wird aussehen wie von einem Wolf….Papas mtDNA findet niemand mehr. Oder denken wir an einen stattlichen Wolf aus Russland, der Lust hat, nach Frankreich zu wandern und sich dort eine schicke französische Fähe zu suchen. Er kann noch so viele Nachkommen zeugen, man wird die Herkunft dieser Tiere nie herausbekommen, wenn man nur die mtDNA untersucht.

Bevor also losgeschimpft und gelästert wird, einmal nachdenken.

Zusammenfassung: ForGen hat sich NICHT blamiert. Aber vielleicht der Eine oder die Andere…..

das ForGen-Team.

PS: Nein, wir haben keine Studien zur Vererbung der mtDNA durchgeführt, falls das jemand wissen möchte und als Qualitätskriterium für die Echtheit dieser Aussagen ansieht. Und wir weigern uns auch, für diese Basiswissen Quellen anzugeben. Gerne kann der Zweifler in unseren eigenen oder den vielen von uns betreuten Doktorarbeiten über mtDNA nach neutralen Quellen sehen. Tatsächlich, manch einer hier hat nämlich nicht nur Biologie STUDIERT, sondern auch noch in Biologie PROMOVIERT, und dann noch HABILITIERT und an der Uni eine PROFESSUR gehabt. Aber wir wollen uns ja nicht über Kompetenzen streiten …

Was ein Tag: ForGen im Radio und im Bundestag….

Immer, wenn man denkt, man hätte schon viel erlebt, kommt etwas Neues hinzu. Noch befinden wir uns in den Nachwehen des gestrigen Tages. Zweimal war ein Radiointerview im NDR mit uns zu „bewundern“ und dann die Sitzung zum Thema Wolf im Bundestag.

Aufregend war es, das kann man so stehen lassen, ernüchternd auch. Viele Fragen wurden teils gar nicht, teils schwammig beantwortet, was sehr schade war. Hatte man doch hier so viele Möglichkeiten.  Nun gut, wir versuchen, weiterhin unsere forensische Sicht der Dinge zu behalten, die da sagt, das einzige, was zählt, ist das bestmögliche Analyseergebnis und die zugehörige Beurteilung. Völlig egal, was herauskommt.

Es bleibt allerdings das Gefühl, dass man sich hätte viel besser und vor allem konstruktiver unterhalten können….

Und dann werden wir auch versuchen, es positiv zu sehen, dass wir diesmal nicht gefragt worden sind, „ob wir denn überhaupt schon einmal Proben untersucht, bzw. einen Wolf nachgewiesen hätten“ sondern lediglich „wie viele Proben es denn bisher gewesen seien“….. die Intention war schon klar…

Ein paar 100 Rissproben sind natürlich gar nix gegen manch einen der schon viel viel mehr dieser Proben untersucht hat. Und die Erfahrung aus über 20 Jahren Rechtsmedizin mit unzähligen Analysen aus den schlimmsten und schwierigsten Proben, zugehörige systematische und veröffentlichte Studien (Fäulnisreihen, Brandstudien etc etc, Degradationsstudien) und Gutachtenerstellung in Fällen von Misshandlungen, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag zählt da nicht so mit …. Ist vielleicht auch nicht so schwierig oder so relevant wie eine Losung zu untersuchen.

Das ForGen Team

Und wieder wurde es pelzig bei ForGen

Am Wochenende war unsere Studentin, Patricia, wieder in Sachen Fledermäuse unterwegs. Diesmal mit einem sehr schönen Vortrag über die genetische Analyse der kleinen Flieger auf einem Seminar des Fledermaus Arbeitskreises Schleswig-Holstein vom NaBu.

Vorträge sind auch für unsere „alten Hasen“ bei ForGen immer noch aufregend, aber unsere Masterstudentin hat sich wacker geschlagen und das doch schwierige Thema der Genetik souverän und verständlich vermittelt … und 30 Minuten können wirklich laaang sein!  Da sind wir schon ein bißchen stolz!

Wir freuen uns hier doppelt und dreifach; über die bisherigen sehr vielversprechenden Ergebnisse, die engagierten und tollen Kooperationspartner vom Noctalis und über den guten und freundlichen Kontakt zum NaBu. Sehr gespannt sind wir auf die kommenden Resultate und die gemeinsamen Projekte.

In diesem Sinne,

das ForGen-Team

Tiere brauchen unseren Schutz!

In der letzten Zeit kommt es einem so vor, als würden „unschöne“ Fälle von Tierquälerei gehäuft vorkommen. Möglicherweise liegt das nur an der medialen Verbreitung, Fakt aber bleibt, dass Tieren aus nicht nachvollziehbaren Beweggründen geschadet wird.

Oft liest man dann, „Tiere sind ja nur eine Sache, also interessiert das die Polizei sowieso nicht“ oder „da wird sowieso nicht ermittelt“.

Das stimmt so nicht. Es gibt ein Tierschutzgesetz, welches eindeutig den Schutz der Tiere beinhaltet: „Ziel dieses Bundesgesetzes über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG) ist der Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf“ (§ 1 (1) TSchG). Gleichzeitig soll der Tierschutz gefördert werden, was sich im § 2 zeigt: „Bund, Länder und Gemeinden sind verpflichtet, das Verständnis der Öffentlichkeit und insbesondere der Jugend für den Tierschutz zu wecken und zu vertiefen und haben nach Maßgabe budgetärer Möglichkeiten tierfreundliche Haltungssysteme, wissenschaftliche Tierschutzforschung sowie Anliegen des Tierschutzes zu fördern.“ Auch zum Thema Tierquälerei und Tötung von Tieren gibt es klare Worte: „§ 5 (1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen“, sowie „§ 6 (1) Es ist verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten.“

Und mittlerweile gibt es an vielen Stellen Staatsanwälte, die sich auf die Bearbeitung derartiger Fälle spezialisiert haben.

Daher sollte einfach jeder daran denken, dass man in vielen Fällen erfolgreiche Untersuchungen durchführen kann; hier einige Beispiele aus unseren langen Arbeitszeit:

Der Besitzer des toten Hundes sagt, er hätte sein Tier nicht mit der Schaufel erschlagen. Stattdessen wollte er das auf natürlichem Wege verstorbene Tier nur vergraben und hat dabei leider den Kopf verletzt? – Hier kann man leicht feststellen, ob die Wunden todesursächlich waren oder aber erst postmortal entstanden sind.

Ein „Pferderipper“ hat zugeschlagen – Um die Wunde herum (z.B. Messerstich) gibt es gute Chancen DNA-Material des Täters festzustellen.

Eine Katze baumelt mit Strick um den Hals tot am Baum –  Der Strick ist vom Täter möglicherweise ohne Handschuhe angefasst worden!

Kaninchen werden aus dem Freilauf gestohlen und finden sich mit gebrochenen Genick im Nachbarsgarten – Hier kann man DNA-Material am Fell des Kaninchens sichern, das möglicherweise vom Täter stammt. Mit Handschuhen ist so etwas nämlich nicht so einfach…

Das heißt also zusammengefasst: Auch tierische Fälle können (und werden) oft erfolgreich untersucht. Man muss nur mitdenken, auch wenn es manchmal schwerfällt. Dazu gehört z.B. die DNA-Spur sichern BEVOR der Tierarzt die Wunde säubert oder aber trotz aller Trauer oder Wut oder Angst um das Tier nach verwertbaren Spuren gucken. Ist ein Werkzeug benutzt, der Stall geöffnet worden? Wo wurde angefasst? Alles sicher nicht einfach, aber es kann vielleicht helfen. Und bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.